Silvesterknaller
Bunte Lichter und laute Feuerwerke stellen eine unzumutbare Belastung für Wildtiere und die Umwelt dar.
Besonders in der sensiblen Winterzeit, in der viele Tiere Schwierigkeiten haben, ausreichend Futter zu finden und sparsam mit ihren Energiereserven umgehen müssen, führt zusätzlicher Stress zu ernsthaften Problemen. Wildtiere können Lärm und Lichtreflexe nicht einordnen und geraten dadurch in Panik. Gartenvögel und Zugvögel fliegen aus Schreck teilweise bis zu 1000 Meter hoch – eine enorme Kraftanstrengung mitten in der Nachtruhe. Häufig fliegen sie bis zur völligen Erschöpfung umher oder erleiden durch Hindernisse ein Anflugtrauma.
Auch wildlebende Säugetiere in Wald und Feld sind betroffen. Viele von ihnen haben ihren Stoffwechsel im Winter stark heruntergefahren. Eine Flucht wird dadurch besonders mühsam und kann Familienverbände auseinanderreißen. Tiere wie Füchse, Biber und Fledermäuse können durch die extremen Geräusche sogar Hörschäden erleiden, was oft zu verletzten oder toten Tieren führt. Selbst Tiere im Winterschlaf bleiben nicht unberührt: Igel etwa zucken nachweislich durch laute Knaller im Schlaf zusammen und verlieren dabei wertvolle Energiereserven, die sie zum Überleben benötigen.
Darüber hinaus ist die Umweltbelastung erheblich: Rund 15 Prozent der jährlichen Feinstaubmenge wird durch Feuerwerkskörper verursacht. Der dichte Silvesterqualm enthält schädliche Stoffe wie Blei, Arsen, Aluminium, PVC und Schwefel, die sowohl für die Umwelt als auch die menschliche Gesundheit belastend sind. Zudem bleibt noch Tage nach Silvester Müll in Form von Plastik- und Pappteilen in Städten, Parks, Wäldern und auf Feldern liegen. Die langfristige Verschmutzung durch Kunststoffreste ist besonders problematisch, da diese Bestandteil vieler Feuerwerkskörper sind und unkontrolliert in die Natur gelangen.
Um diese negativen Folgen zu reduzieren, gibt es verschiedene Lösungsansätze: Gemeinden können zentrale Feuerwerke organisieren, sodass weniger private Böllerei stattfindet. Auch klar definierte Zeitfenster – etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht – können die Belastung verringern. In manchen Städten wie Göttingen, Hannover oder Tübingen wurden bereits bestimmte Bereiche festgelegt, in denen das Böllern verboten ist. Zudem hilft es, das Bewusstsein für die Folgen zu schärfen und offen über die negativen Auswirkungen zu kommunizieren. Jede Rakete, die nicht gezündet wird, ist ein Gewinn für Tiere, Umwelt und Gesundheit.
Text: Enie Herwig, Freiwillige im FÖJ der Auwaldstation Leipzig gGmbH