Pflanzen im Winter
Auch für Pflanzen ist der Winter eine Herausforderung. Deshalb haben auch sie verschiedene Strategien entwickelt, um diese harte Zeit zu überstehen.
Frostschutzmittel
Zellen aller Lebewesen bestehen zu großen Teilen aus Wasser. Gefriert es, dehnt es sich aus und es entstehen scharfkantige Eiskristalle, wodurch die Zellen absterben. Damit dies nicht passiert, haben Pflanzen eigene Frostschutzmittel aus Zuckern, Aminosäuren und Alkoholverbindungen. Diese setzen den Gefrierpunkt herab. In manchen Regionen schaffen die Pflanzen so bis zu -45°C. Allerdings brauchen sie min. 24 Stunden, um sich auf die Kälte einzustellen. Bei plötzlicher Kälte gefrieren Pflanzen trotz ihrer Wundermittel.
Perfekt angepasst
Therophyten (griech. theros - Sommer) keimen, wachsen, blühen und bilden Samen innerhalb eines Sommers. Im Herbst lassen sie ihren gesamten Körper planmäßig absterben und überdauern den Winter nur als Samen. Zu diesen einjährigen Pflanzen gehören z.B. Kornblume und echte Kamille.
Geophyten (griech. geo - Erde) hingegen sind mehrjährig und überstehen den Winter durch ihre Überwinterungsorgane, wie z.B. Zwiebeln, Knospen, Wurzeln oder Rhizome. Diese befinden sich frostgeschützt unter der Erde und speichern die Energie, die die Pflanzen zum Wiederaustrieb im Frühjahr brauchen. Geophyten sind meist niedrige Pflanzen mit kleinen Blättern, die oft im Wald zu finden sind und früh im Jahr blühen, um dort noch genug Licht zu bekommen, wie z.B. Schneeglöckchen, Krokus und Schlüsselblume.
Bei Chamaephyten (griech. chami – auf der Erde) liegen die Knospen nur einige Zentimeter über der Erde und werden durch die Schneedecke vor Fost geschützt. Der untere Teil der Pflanze verholzt und der obere Teil stirbt bei strengem Frost ab. Diese Pflanzen wie Lavendel, Salbei und Thymian treiben aus dem verholzten Teil wieder aus.
Bäume und Sträucher gehören zu den Phanerophyten (griech. phanero - sichtbar), also Pflanzen, deren Knospen weit über dem Boden und damit ungeschützt sind. Laubbäume werfen deshalb im Herbst ihre Blätter ab, um nicht zu verdursten. Über die Blätter verdunstet viel Wasser, was der Baum im Winter durch den gefrorenen Boden nicht mehr aufnehmen kann. Außerdem würden die Blätter eine große potenzielle Auflagefläche für Schnee bieten und damit zu mehr Schneebruch führen. Nur die Knospen bleiben an den Zweigen und werden durch harte Knospenschuppen, Harz, Haare oder eingelagerte Zuckerstoffe geschützt. Nadelbäume sind besser an Kälte angepasst, da ihre Nadeln eine kleinere Oberfläche und eine Wachsschicht besitzen, wodurch sie weniger Wasser verdunsten. Darum sind Nadelbäume auch öfter in kälteren Regionen zu finden.
Pflanzen haben also verschiedene Strategien entwickelt, um mit der Kälte klarzukommen. Egal ob Zwiebel, Blätter abwerfen oder die Schneeschicht für sich nutzen, die Natur ist einfach genial.
Autorin: Laura Glässer, FÖJ in der Auwaldstation