Natur- und Umweltschutz ist doch alles dasselbe?
Wir hören sie ständig: die Begriffe Natur- und Umweltschutz. Oft werden sie synonym verwendet. Schaut man jedoch genauer hin, zeigt sich ein wichtiger Unterschied. Dieser hilft zu verstehen, warum es manchmal unterschiedliche Meinungen gibt.
Beim Naturschutz steht, wie der Name schon sagt, die Natur selbst im Mittelpunkt. Er umfasst Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Wiederherstellung von Natur und Landschaft, also von wildlebenden Tieren, Pflanzen, Lebensräumen und den vielfältigen und komplexen Zusammenhängen innerhalb von Ökosystemen. Ziel ist es, diese Vielfalt zu erhalten. Und das nicht nur, weil sie für uns Menschen nützlich ist, sondern auch, weil sie einen eigenen Wert hat. Dies ist direkt in § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes verankert. Auwälder wie in Leipzig sind daher nicht nur wichtig, weil sie uns etwas bieten, sondern vor allem, weil sie an sich schützenswert sind. Fachlich lässt sich der Naturschutz unter anderem in Artenschutz, Biotopschutz, Prozessschutz und den Schutz abiotischer Ressourcen wie Boden, Wasser oder Mikroklima gliedern. In der Praxis findet Naturschutz häufig ganz konkret vor Ort statt, etwa durch die Ausweisung von Schutzgebieten, die Pflege von Lebensräumen oder die Umsetzung von Artenhilfsprogrammen.
Der Umweltschutz setzt einen etwas anderen Schwerpunkt. Hier geht es vor allem darum, wie menschliches Handeln die Umwelt beeinflusst und wie sich negative Auswirkungen vermeiden oder zumindest verringern lassen. Saubere Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden und ein stabiles Klima stehen dabei im Mittelpunkt. Es geht also häufig darum, unser eigenes Verhalten und unsere Nutzungsweisen zu verändern: weniger Schadstoffe, weniger Lärm und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen. Zu den typischen Handlungsfeldern des Umweltschutzes zählen unter anderem Immissionsschutz, Abfallwirtschaft, Gewässer- und Bodenschutz sowie der Klimaschutz. Im Unterschied zum Naturschutz setzt der Umweltschutz oft stärker an den Ursachen von Umweltbelastungen an, zum Beispiel durch technische Lösungen, gesetzliche Regelungen oder angepasste Nutzungsformen.
Während der Naturschutz besonders die Natur in ihrer Vielfalt, Eigenart und natürlichen Dynamik bewahren will, richtet der Umweltschutz den Blick stärker auf die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt.
Ein fiktives Beispiel macht diese unterschiedlichen Herangehensweisen deutlich:
Eine neue Autobahn soll gebaut werden.
Aus Sicht des Umweltschutzes wird geprüft, welche Auswirkungen das Vorhaben auf Umwelt und Bevölkerung hat. Es werden Maßnahmen festgelegt, um Belastungen zu verringern, zum Beispiel ausreichende Abstände zu Siedlungen, Lärmschutzwände oder Geschwindigkeitsbegrenzungen zur Reduktion von Emissionen. Unter diesen Bedingungen kann das Projekt als grundsätzlich umsetzbar gelten. Der Naturschutz bewertet das Vorhaben unter einem anderen Blickwinkel. Verläuft die geplante Autobahn durch den Lebensraum einer streng geschützten Art, zum Beispiel des Feldhamsters, bedeutet dies einen erheblichen Eingriff in ein sensibles Ökosystem. Auch wenn die Belastungen für den Menschen reduziert werden, würde dabei ein wertvoller Lebensraum verloren gehen. In solchen Fällen kann das Vorhaben aus naturschutzfachlicher Sicht abgelehnt oder nur unter erheblichen Änderungen genehmigt werden. Diese Anforderungen sind in der Regel auch rechtlich festgelegt. Trotz dieser unterschiedlichen Ansätze gibt es viele Überschneidungen. Wenn zum Beispiel Moore wiedervernässt werden, dient das sowohl dem Naturschutz, weil wertvolle Lebensräume renaturiert werden, als auch dem Klimaschutz und damit dem Umweltschutz, weil große Mengen Kohlenstoff im Boden gebunden bleiben. Auch saubere Gewässer sind nicht nur für uns Menschen wichtig, sondern ebenso für Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme.
Am Ende geht es daher nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Zusammenspiel. Naturschutz und Umweltschutz ergänzen sich, auch wenn sie manchmal zu unterschiedlichen Bewertungen kommen. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven helfen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen, die sowohl der Natur als auch den Menschen gerecht werden.
Denn wir Menschen sind Teil dieser Umwelt und auf ihren intakten Zustand angewiesen.
Autorin: Caro Rackwitz – Naturschutzbeauftragte der Auwaldstation