Art des Monats Juli - Die Gemeine Wegwarte

Wegwartenblüte mit Schwebfliege, Foto: Auwaldstation (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Wegwartenblüte mit Schwebfliege, Foto: Auwaldstation

Jeden Monat möchten wir euch eine heimische Art aus dem Leipziger Auwald vorstellen. Die Mitarbeitenden der Auwaldstation haben zahlreiche Vorschläge gesammelt und im Team für zwölf Tiere und Pflanzen im Jahr 2026 abgestimmt. So sind unsere „Arten des Monats” entstanden. Freut euch auf spannende Fakten jeden Mittwoch in den sozialen Medien und am Ende jedes Monats als Artikel auf unserer Website.

 

Wer im Sommer mit offenen Augen an Feldwegen, Straßenrändern oder Wiesen entlangspaziert, entdeckt sie vielleicht: leuchtend himmelblaue Blüten, die schon von Weitem ins Auge fallen. Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) ist eine der schönsten heimischen Wildpflanzen – und doch wird sie oft übersehen. Dabei verbirgt sich hinter ihr eine erstaunliche Geschichte voller Naturwunder, alter Legenden und wertvoller Beiträge zum Artenschutz.


Die Wegwarte gehört zur Familie der Korbblütler und kann über einen Meter hoch werden. Von Juli bis September schmücken ihre auffälligen blauen Blüten sonnige Wegränder. Ihre länglichen, leicht gezähnten Blätter erinnern an Löwenzahn und fühlen sich auf der Unterseite rau an. Ihren Namen trägt die Pflanze nicht ohne Grund: Sie wächst bevorzugt an Wegen und Straßenrändern, wo sie auf nahezu allen Böden zurechtkommt. Am wohlsten fühlt sie sich jedoch auf sonnigen, warmen Standorten mit nährstoffreichen, lehmig-sandigen Böden.


Eine Besonderheit der Wegwarte zeigt sich erst beim genaueren Hinsehen. Jede einzelne Blüte öffnet sich nur ein einziges Mal – und zwar morgens. Bereits gegen 15 Uhr schließt sie sich wieder und verblüht. Bleibt die Sonne hinter dichten Wolken verborgen, öffnet sich die Blüte oft gar nicht. Doch keine Sorge: Die Pflanze bildet ständig neue Blüten nach. So sorgt sie über viele Wochen hinweg für ihre charakteristische blaue Blütenpracht.


Mindestens genauso wertvoll wie für uns Menschen ist die Wegwarte für zahlreiche Tiere. Ihre Blüten bieten Wildbienen, Honigbienen, Hummeln und vielen weiteren Insekten reichlich Nektar und Pollen. Im Herbst dienen ihre Samen Finkenvögeln als Nahrung. Damit leistet die Wegwarte einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und ist eine echte Bereicherung für naturnahe Gärten. Wer sie einmal pflanzt, kann sich viele Jahre an ihr erfreuen. Als mehrjährige Pflanze speichert sie ihre Energiereserven in einer kräftigen Pfahlwurzel. Selbst strenge Winter übersteht sie problemlos und treibt im Frühjahr aus dieser unterirdischen Vorratskammer wieder neu aus.


Auch für den Menschen hat die Wegwarte seit Jahrhunderten eine besondere Bedeutung. Ihre Wurzeln wurden früher geröstet und als Beimischung zu Bohnenkaffee oder sogar als vollständiger Kaffeeersatz verwendet – daher stammt auch der Begriff „Zichorienkaffee“. Junge Blätter können als Salat (Chicorée) gegessen oder zu Tee verarbeitet werden. Darüber hinaus gilt die Wegwarte seit Langem als Heilpflanze. Ihr werden positive Wirkungen auf Magen, Leber und Galle zugeschrieben, außerdem soll sie beruhigend und stressreduzierend wirken.


Um die Wegwarte ranken sich zahlreiche Geschichten. Im Mittelalter schrieb man ihr sogar magische Kräfte zu. Besonders bekannt ist die Sage vom Burgfräulein, das vergeblich am Wegesrand auf die Rückkehr seines Geliebten wartete. Aus ihren blauen Augen sollen schließlich die leuchtenden Blüten der Wegwarte entstanden sein – daher gilt sie bis heute als Symbol für Treue und Hoffnung.


So robust die Wegwarte in der Natur ist, als Schnittblume eignet sie sich kaum. In der Vase verwelken ihre Blüten meist schon nach kurzer Zeit. Am schönsten ist sie deshalb dort, wo sie hingehört: am sonnigen Wegesrand oder in einer naturnahen Blumenwiese.


In unserer Region ist die Gemeine Wegwarte derzeit glücklicherweise noch nicht gefährdet. In einigen Bundesländern, beispielsweise in Hamburg, steht sie jedoch bereits auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten. Umso wichtiger ist es, ihre Lebensräume zu erhalten und Wildpflanzen auch im eigenen Garten eine Chance zu geben. Wer der Wegwarte einen sonnigen Platz bietet, schafft nicht nur einen farbenfrohen Blickfang, sondern unterstützt gleichzeitig Wildbienen, Hummeln und viele weitere Tiere – ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung für die biologische Vielfalt.