Insektennisthilfen – Willkommen im Wildbienenhotel

Eine Insekten-Nisthilfe an einer Wand umgeben von zahlreichen blühenden Kräutern, Foto: Auwaldstation (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Eine Insekten-Nisthilfe an einer Wand umgeben von zahlreichen blühenden Kräutern, Foto: Auwaldstation

Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer heimischen Pflanzenwelt. Dennoch finden sie immer seltener geeignete Nistplätze. Totholz wird aus Wäldern entfernt, offene Bodenstellen verschwinden unter Rasen oder Beton und alte Lehmwände sowie strukturreiche Gärten werden immer seltener. Die Bestäubung durch Insekten zählt zu den wichtigsten Ökosystemleistungen überhaupt. Ihr wirtschaftlicher Wert wird weltweit auf weit über 200 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Ohne Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Fliegen und Wespen gäbe es deutlich geringere Ernten und eine wesentlich ärmere Pflanzenwelt. 

 

In Deutschland leben über 600 Wildbienenarten, die alle streng geschützt sind. Doch bereits 50 % der Arten sind gefährdet. Über 70 % der Wildbienenarten in Deutschland leben solitär, und zahlreiche von ihnen sind auf bestimmte Pflanzen hoch spezialisiert. Einige Pflanzen sind sogar vollständig auf eine Bestäubung durch Wildbienen angewiesen. Dazu gehören beispielsweise Tomaten, deren Blüten durch die sogenannte Vibrationsbestäubung geöffnet werden – eine Technik, die Honigbienen nicht beherrschen.

 

Nicht alle Wildbienen nisten auf die gleiche Weise. Oberirdische Nisthilfen werden vor allem von Hohlraumnistern genutzt. Sie legen ihre Brutzellen in vorhandenen oder selbst genagten Hohlräumen an, zum Beispiel in markhaltigen Pflanzenstängeln, Käferfraßgängen oder Schilfröhrchen. Über die Hälfte der Wildbienenarten nisten hingegen unterirdisch im Boden. Sie graben ihre Brutröhren selbst in offene, sonnige Bodenstellen. 

 

Oberirdisch nistende Arten nehmen Bohrlöcher in trockenem Hartholz gerne an. Die Löcher sollten sauber gebohrt und unterschiedlich groß (etwa 2–9 mm Durchmesser) sein. Zudem müssen sie zehnmal so lang wie breit angeboten werden, damit die nächste Bienengeneration ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis hat. Ebenso beliebt sind Schilf-, Bambus- oder Pappröhrchen mit glatten Innenwänden und verschlossenen Enden. Für bodennistende Wildbienen eignet sich ein mindestens 50 cm tiefes Sandarium aus einer Mischung von ungewaschenem Sand und Lehm oder Ton im Verhältnis von 7:1. Reiner, zu lockerer Spielsand oder stark verdichtete Erde können leider nicht angenommen werden. Viele handelsübliche Insektenhotels sehen zwar dekorativ aus, sind für Wildbienen jedoch völlig ungeeignet. Materialien wie Zapfen, Stroh oder Holzspäne können von Wildbienen nicht genutzt werden und dienen lediglich als billiges Füllmaterial im Verkauf. 

 

Damit eine Nisthilfe von Wildbienen angenommen wird, sollte sie an einem sonnigen, warmen und möglichst regengeschützten Ort positioniert sein. Sie muss fest montiert sein und darf nicht im Wind schaukeln, damit die Bienen den Eingang wiederfinden. Ein Insektenhotel ohne Blüten und Baumaterial ist wie ein Haus ohne Wände und Küche. Wildbienen brauchen nicht nur einen Platz zum Nisten, sondern auch ausreichend Pollen und Nektar in ihrer Umgebung. Ein vielfältiges Blütenangebot heimischer Wildpflanzen über das ganze Jahr ist deshalb genauso wichtig wie die Nisthilfe selbst.

 

Eine Insektennisthilfe ist ein guter Anfang, doch erst in Kombination mit einer naturnah gestalteten Umgebung entsteht ein echtes Paradies für zahlreiche Wildbienen und andere Tiere. 

 

Text: Daya Södje