Habitatfragmentierung – Zerschneidung von Lebensräumen
Was ist Habitatfragmentierung?
Als Habitatfragmentierung bezeichnet man die Zerschneidung, Zerstückelung und Verkleinerung von Lebensräumen (Habitaten) von Tier- und Pflanzenarten. Neben dem Klimawandel, der Übernutzung natürlicher Ressourcen und Umweltverschmutzung ist der Lebensraumverlust eine der Hauptursachen für den lokalen, regionalen und globalen Verlust von Artenvielfalt.
Was sind die Gründe dafür?
Die Fragmentierung von Lebensräumen kann einerseits durch natürliche, langzeitliche geologische oder klimatische Prozesse verursacht werden, etwa durch Grabenbrüche oder Vergletscherung. Meist ist jedoch der Mensch der Verursacher, indem er durch Waldrodung, Straßen- und Siedlungsbau, intensive Landwirtschaft und Zäune Landschaften zerschneidet. Diese Zerschneidung von Landflächen führt zur Verkleinerung und Verinselung von Habitaten und letztlich zu deren Schwund.
Dabei geht es nicht nur darum, wie viel Natur zerstört wird. Entscheidend ist auch, wie die verbleibenden Lebensräume verteilt sind und wie sie miteinander verbunden sind. Ein großer zusammenhängender Wald bietet ganz andere Lebensbedingungen als viele kleine, voneinander getrennte Waldstücke.
Warum ist es ein Problem?
Die Habitatfragmentierung bringt für viele Tier- und Pflanzenarten gleich mehrere Probleme mit sich: Einerseits bedeutet weniger Platz, dass dort weniger Individuen einer Art leben können. Kleinere Populationen sind anfälliger für Zufallsereignisse und können leichter lokal aussterben. Unüberwindbare Hindernisse verhindern zudem den genetischen Austausch zwischen Populationen einer Art. Zudem nehmen Randeffekte zu, da optimale Bedingungen für Arten meist nur in gewissem Abstand zum Rand ihrer Lebensräume vorherrschen. Durch die Fragmentierung vergrößert sich die Randzone verhältnismäßig. Lärm- und Lichtbelastung, Luftverschmutzung und Umweltzerstörung, beispielsweise durch Unwetter, treten stärker auf. Die menschlichen Eingriffe zerstören außerdem direkt Lebensraum.
All dies bedroht das Gleichgewicht der Ökosysteme und kann zum Rückgang und Aussterben von Arten führen. Besonders anfällig sind seltene und stark spezialisierte Arten, die ganz bestimmte Lebensbedingungen benötigen.
Was wird dagegen getan?
Um diesen Prozessen entgegenzuwirken, wird eine (Wieder)Vernetzung von Lebensräumen gefördert. Ein Beispiel hierfür ist das Natura-2000-Projekt, ein zusammenhängendes Netz aus Schutzgebieten innerhalb der EU. Sogenannte Trittsteine und Korridore bieten kleinere, geeignete Landflächen zwischen größeren Lebensraumgebieten und ermöglichen so das Übersiedeln. Zu diesen Biotopverbundelementen zählen beispielsweise Hecken, Ackerrandstreifen und Grünbrücken, aber auch hunderte Kilometer lange grüne Wald- und Wiesenstreifen.
Die Wildkatze im Leipziger Auwald
Auch der Leipziger Auwald bildet ein grünes Band durch die Stadt. Insbesondere das Waldstück westlich der Kleinmesse ist dabei ein wichtiges Verbundelement für zahlreiche Vogel-, Säugetier-, Amphibien-, Reptilien-, Insekten- und Pflanzenarten zwischen dem nördlichen und südlichen Auwald. Die Wildkatze galt ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Sachsen als ausgestorben, besiedelt aber seit einigen Jahren wieder den nördlichen Teil des Auwalds. Auch für sie bildet dieses Waldstück einen potenziellen Korridor, um sich weiter in Richtung Süden ausbreiten zu können.
Um das aktuell stattfindende massive Artensterben zu bremsen, dürfen wir also keine weiteren Flächen mehr versiegeln, Wälder abholzen und Lebensräume zerschneiden. Der Schutz einzelner Naturflächen reicht nicht aus. Wichtig ist auch, dass diese Flächen miteinander verbunden bleiben. Hecken, naturnahe Feldränder, Bachläufe, Waldstücke und Grünbrücken sind dabei kleine, aber wichtige Teile eines großen Netzwerks.
Seraina Joss – Praktikantin bei der Auwaldstation