Tier des Monats Oktober - Die Waldspitzmaus

Spitzmaus auf einem Stein im Wasser, Bild: Canva, Bearbeitung Auwaldstation Leipzig (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Spitzmaus auf einem Stein im Wasser, Bild: Canva, Bearbeitung Auwaldstation Leipzig

Jeden Monat möchten wir euch eine heimische Art aus dem Leipziger Auwald vorstellen. Die Mitarbeitenden der Auwaldstation haben zahlreiche Vorschläge gesammelt und im Team für zwölf Tiere und Pflanzen im Jahr 2026 abgestimmt. So sind unsere „Arten des Monats” entstanden. Freut euch auf spannende Fakten jeden Mittwoch in den sozialen Medien und am Ende jedes Monats als Artikel auf unserer Website.

 

Auch wenn ihr Name anderes vermuten lässt: Spitzmäuse sind keine Mäuse und gehören damit nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Insektenfressern. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Insekten und deren Larven, aber auch Regenwürmer, Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere. Die Waldspitzmaus hat dabei einiges mit dem Maulwurf gemeinsam. Beide gehören zu den Insektenfressern und haben einen nur wenig ausgeprägten Sehsinn. Stattdessen orientieren sie sich mit ihrem ausgezeichneten Geruchs- und Tastsinn.

 

Ständig auf Nahrungssuche zu sein, ist für die gerade einmal etwa 10 g schwere Waldspitzmaus überlebenswichtig. Ihr Stoffwechsel läuft extrem schnell, ihr Herz kann bis zu 700 x pro Minute schlagen. Deshalb muss sie etwa alle 70 min Nahrung aufnehmen, um ihren hohen Energiebedarf zu decken. Auf Nahrungssuche ist sie deshalb sowohl am Tag als auch in der Nacht.

 

Auch im Winter bleibt die Waldspitzmaus aktiv. Um Energie zu sparen, durchläuft ihr Körper dabei eine außergewöhnliche Veränderung: Sie verliert etwa ein Fünftel ihres Körpergewichts und auch Schädel, Knochen und einige Organe werden kleiner. Durch den kleineren Körper benötigt sie entsprechend weniger Energie. So kann sie den Winter überstehen, ohne Winterschlaf zu halten.

 

Im Frühjahr beginnt dann die Fortpflanzungszeit. Von April bis September kann ein Weibchen zwei bis vier Würfe mit jeweils etwa vier bis sieben Jungen zur Welt bringen. Die Jungtiere wiegen bei der Geburt gerade einmal 0,4 g und öffnen ihre Augen erst nach ungefähr 20 Tagen.

 

Waldspitzmäuse sind außerdem erstaunlich gute Schwimmer. Sie können sogar im Wasser nach Nahrung suchen und dabei wasserlebende Insektenlarven erbeuten. Für ihren Unterschlupf nutzen sie häufig die verlassenen Bauten anderer Kleinsäuger, beispielsweise von Wald- oder Rötelmäusen. Diese bauen sie teilweise weiter aus und legen darin verzweigte Tunnelsysteme mit mehreren Eingängen, Sackgassen sowie Vorrats- und zwei Nestkammern an. Die vielen Wege und Ausgänge können dabei helfen, Fressfeinde zu verwirren.

 

Am liebsten lebt die Waldspitzmaus in feuchten Wäldern und auf Feuchtwiesen. Sie ist jedoch relativ anpassungsfähig und kommt deshalb auch in trockeneren Lebensräumen vor. In Mitteleuropa gehört sie zu den häufigsten Spitzmausarten und gilt derzeit als nicht gefährdet.

 

Text: FÖJ 2025/2026