Die Schattenseiten des Pflanzenhandels
Pflanzen vermitteln häufig ein Gefühl von Natur und Nachhaltigkeit. Doch was auf den ersten Blick umweltfreundlich wirkt, ist es oft nicht. Der konventionelle Pflanzenhandel verursacht enorme Umweltbelastungen, die vielen Verbrauchern kaum bekannt sind. Jährlich entstehen allein durch den Verkauf von Pflanzen rund 21 Millionen Kilogramm Plastikmüll. Etwa 150 Millionen Einwegverpackungen werden für Transport und Präsentation genutzt.
Die Töpfe vieler Pflanzen aus Supermärkten enthalten einen hohen Anteil an Torf. Das ist schlecht, denn der Abbau von Torf hat eine sehr schlechte Ökobilanz. Es werden Jahrhunderte alte Hochmoore, die einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten, zerstört. Außerdem sind Torfmoore extrem wichtige CO2-Speicher. Durch Entwässerung und Abbau des Moors wird das gespeicherte CO2 freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 10 Millionen Kubikmeter Torf verbraucht. Vor allem für Blumenerde, die in Baumärkten verkauft wird. Langfristig ist Torf auch für die Pflanzen schädlich, denn er ist nährstoffarm, sauer und kann Wasser schlechter an die Pflanzen abgeben. Die bessere Wahl ist deshalb Pflanzerde, die als „torffrei“ gekennzeichnet ist.
Abgesehen von der Blumenerde, die schädlich für die Umwelt ist, sind Pflanzen aus dem Supermarkt häufig stark mit Düngern und Pestiziden belastet. Studien von GreenPeace zeigten, dass in rund 14% der untersuchten Pflanzen sogar nicht zugelassene Pestizide gefunden wurden. Die Stoffe gelten als besonders giftig und können Gesundheitsprobleme verursachen. Von Kopfschmerzen und Schwindel über Augen- und Atembeschwerden bis hin zu Nervenerkrankungen. Auch für Insekten, insbesondere Bienen, werden diese Pflanzen auf Balkon oder im Garten schnell zu einem tödlichen Giftcocktail. Lieber sollte man gezielt nach Bio-Pflanzen mit Siegel wie das EU-Öko-Logo, das Bio-Siegel oder die Zeichen der Bio-Verbände Demeter, Bioland und Naturland achten.
Die Herkunft vieler Pflanzen ist für uns Käufer kaum nachvollziehbar. Zwar gelten die Niederlande oft als Herkunftsland, sie sind jedoch meist nur ein Umschlagplatz. 80% der Pflanzen müssen importiert werden. Besonders bei Schnittblumen werden 85-90% aus den Niederlanden importiert aber nur die hälfte stammt tatsächlich aus den Niederlanden. Die andere Hälfte stammt aus Lateinamerika oder Afrika, etwa aus Kenia, und legt tausende Kilometer zurück. Hinzu kommen oft schlechte Arbeitsbedingungen in der Blumenproduktion.
Mit einer bewussten Kaufentscheidung lassen sich Umweltbelastungen reduzieren, Insekten schützen und die eigene Gesundheit bewahren. Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung für Natur und Zukunft.
Autorin: Enie Herwig FÖJlerin in der Auwaldstation

