Tierschutz vs. Artenschutz – wer schützt wen?
Tierschutz und Artenschutz. Die Begriffe klingen ähnlich, meinen aber nicht dasselbe.
Beide stehen für Tierwohl und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es grundlegende Unterschiede in den Ansichten bezüglich der konkreten Maßnahmen und rechtlichen Grundlagen gibt.
Beim Tierschutz steht das einzelne Tier im Mittelpunkt. Dabei werden alle Tiere einbezogen, also wildlebende sowie Nutz- und Haustiere. Einige Organisationen spezialisieren sich jedoch direkt auf Haus- und Nutztiere, während andere sich gegen Tierversuche einsetzen. Ziel ist es, das Leiden und die Krankheiten von Individuen zu verhindern und nicht artgerechte Haltung zu bekämpfen. Jedes Tier soll demnach ein Recht auf ein unversehrtes und stressfreies Leben haben. In Deutschland regelt das Tierschutzgesetz beispielsweise die Mindeststandards für die Haltung, den Transport und die Schlachtung von Tieren.
Artenschutz denkt größer. Dabei geht es um den langfristigen Erhalt von Populationen wildlebender Arten und somit um die Sicherung evolutionärer Prozesse. Der Schutz von Lebensräumen spielt dabei eine wichtige Rolle, wobei das einzelne Tier in den Hintergrund geraten kann. Neben dem Biotopschutz, dem Prozessschutz und dem Schutz abiotischer Ressourcen gehört der Artenschutz zum Naturschutz.
Das Problem dabei ist, dass in der Natur nicht alles „tierfreundlich” abläuft. Fressen und gefressen werden sowie Hunger und Krankheiten gehören dazu. In Zoos zeigt sich dieser Konflikt häufiger. Zoos sollen durch bestimmte Zuchtprogramme zum Artenschutz beitragen. Gleichzeitig kritisieren Tierschützer die schlechten Haltungsbedingungen oder den Eingriff in das Leben einzelner Tiere.
Ein Mittelweg wird durch den Ansatz des „Compassionate Conservation“ aufgezeigt. Dabei versucht man, Artenschutz und Mitgefühl für das einzelne Tier zu verbinden. Denn klar ist: Arten lassen sich nur erhalten, wenn sich die Tiere auch wohlfühlen und erfolgreich fortpflanzen können.
Trotz der Unterschiede ziehen beide Bereiche oft am selben Strang. Schutzgebiete, Regeln für Handel und Nutzung sowie Bildungsarbeit helfen sowohl dem einzelnen Tier als auch ganzen Arten. Es gilt also ganz klar: Zusammen ist es am wirkungsvollsten.
Text: Emma Herrmann

