Holz-zersetzende Pilze: Gefahr oder Biodiversitätstreiber?
Bei den warmen Temperaturen kann eine Entdeckungstour durch den Leipziger Auwald eine kühle Alternative zum Aufenthalt in der Stadt sein. Aber aufgepasst! Die anhaltende Trockenheit und hohen Temperaturen schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Pilzbefall. Bei starkem Wind kann das zum Fall von Ästen oder ganzen Bäumen führen. Bodenverdichtung, Verletzungen, Stickstoffeinträge und Insektenbefall erhöhen den Stress für die Bäume zusätzlich.
Rund 80% der Bäume in deutschen Wäldern sind mittlerweile geschädigt. Gerade Esche und Ahorn sind jeweils durch das Eschentriebsterben und die Ahornrußrindenkrankheit vorbelastet. Die Baumkrankheiten werden ebenfalls durch Pilze ausgelöst. Wenn dann holzzersetzende Pilze an Wurzeln oder Stamm in den Baum eindringen, wird dieser durch die ausgelöste Fäule instabil. Das liegt daran, dass die Pilze Lignin und manchmal auch die Cellulose im Holz zersetzen. Das sind Verbindungen, die für Stabilität bzw. Elastizität im Holz sorgen. Weil der Großteil des Pilzes im Holz lebt und der für uns sichtbare Teil (der Fruchtkörper) nur wenige Tage bis einige Jahre außen am Holz sitzt, ist der Befall außerdem nicht immer ersichtlich. Häufig auftretende Pilze an geschwächten Bäumen sind Hallimasch-Arten oder der Echte Zunderschwamm. Der Hallimasch hat Hut und Stiel, häufiger sichtbar sind aber seine schwarz-glänzenden Rhizomorphe. Mit diesen wurzelartigen Strukturen erkundet er den Wald. Der Zunderschwamm bildet sehr große, Huf-förmige Fruchtkörper. Aus der Schicht unter der Kruste (Trama) kann ein Lederersatz hergestellt werden.
Holzzersetzende Pilze haben durch die forstwirtschaftlichen Schäden und die Verletzungsgefahr einen schlechten Ruf. Sie sind allerdings ein unverzichtbarer Bestandteil für funktionierende Ökosysteme. Sie sind die „Müllabfuhr“ im Wald, da sie tote Bäume zersetzen und die Nährstoffe anderen Lebewesen zur Verfügung stellen. Nur durch die Zersetzungsprozesse können Spechte oder holzbewohnende Käfer, wie der streng geschützte Eremit, Bruthöhlen in Bäumen anlegen.
Umfallende Bäume schaffen kleinräumig Freiflächen, auf denen sich lichtliebende Arten ansiedeln.
Monokulturen, die Entnahme von Totholz und kurze Umtriebszeiten haben zu einem Lebensraumverlust für viele holzzersetzende Pilze geführt. Das gilt vor allem für auf stehendem und liegendem altem Holz wachsende Pilze, keine von ihnen werden jedoch aktuell gesetzlich geschützt. Dazu zählen der auf alten Eichen wachsende Klapperschwamm oder der in Sachsen vom Aussterben bedrohte Igelstachelbart. Der auch als Lion’s Mane bekannte Speisepilz besiedelt abgestorbene Teile noch lebender Laubbäume.
Da Pilze sich unter anderem über unzählige Sporen sehr weit verbreiten können, bringt das Entfernen der jeweiligen Bäume nichts für den Schutz des restlichen Baumbestandes. Auch auf die Anwendung von Fungiziden sollte unbedingt verzichtet werden, weil diese allen Pilzen und somit auch dem restlichen Ökosystem schaden. Was hilft, sind artenreiche und dadurch widerstandsfähige Wälder. Um die Sicherheit an viel genutzten Wegen und Straßen zu erhöhen, werden regelmäßig Baumkontrollen durchgeführt. Gefährdete Bäume werden eingekürzt oder gefällt. Bei starkem Wind sollte sich außerdem nicht im Wald aufgehalten werden. Die Schärfung des Blicks für Pilze gibt nicht nur Hinweise auf Bäume, unter denen nicht verweilt werden sollte, sondern eröffnet auch Einblicke in das beeindruckende Reich der Pilze.
Quellen:
Amt für Stadtgrün und Gewässer (n.d.). Aktuelle Gefahren im Stadtwald.
Bundeswirtschaftsministerium (2026). Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2025.
Hardtke et al. (2015). Rote Liste und Artenliste Sachsen. 2. Auflage
Schwarze et al. (2001). Holzzersetzende Pilze an Bäumen – Strategien der Holzzersetzung
Text: Pia Volpert

