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Wenn der Weg immer breiter wird

Ein Trampelpfad verbindet zwei Wege, Foto: Daya Södje, Auwaldstation Leipzig (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Ein Trampelpfad verbindet zwei Wege, Foto: Daya Södje, Auwaldstation Leipzig

Ein kleiner Trampelpfad wirkt zunächst harmlos. Doch dort, wo viele Menschen immer wieder dieselbe Abkürzung nehmen, kann innerhalb kurzer Zeit ein neuer oder breiterer Weg entstehen. Besonders auffällig ist das an beliebten Spazierwegen, auf Wiesen oder an Gewässerufern. Was nach einer kleinen Bequemlichkeit aussieht, bedeutet jedoch den Verlust von Lebensraum für andere.
 

Wo regelmäßig Menschen gehen oder fahren, wird Vegetation niedergetreten und der Boden verdichtet. Pflanzen werden verdrängt und können an dieser Stelle schlechter wurzeln. Zudem kann Regenwasser weniger gut in den Boden eindringen und gehalten werden. Bleibt die Belastung bestehen, verschwinden zunächst die empfindlichen Pflanzenarten und es kann sich schließlich überhaupt keine geschlossene Vegetation mehr entwickeln. So entsteht aus einem schmalen Trampelpfad nach und nach eine dauerhaft kahle Fläche.
 

Das ist besonders problematisch in Schutzgebieten, naturnahen Wiesen, an Waldrändern und in Lebensräumen, in denen seltene Pflanzen- und Tierarten vorkommen. Mit der Vegetation verschwinden Nahrungs- und Rückzugsräume für zahlreiche Tiere.
 

Was können wir dagegen tun?
Die einfachste und zugleich wirkungsvollste Maßnahme ist, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben. Auch wenn ein Trampelpfad kürzer oder bequemer erscheint, verhindert jeder vermiedene Schritt, dass er sich weiter etabliert. In Naturschutzgebieten gilt ohnehin das Wegegebot, wodurch es verboten ist, dort die Wege zu verlassen.


Für Städte, Parkbetreibende und Schutzgebietsverwaltungen gibt es weitere Möglichkeiten. An Stellen, an denen kein ausreichender Raum für den Fuß- und Radverkehr vorhanden oder ausgewiesen ist, wird häufig auf angrenzende Grünflächen ausgewichen. Eine geeignete Wegeführung – insbesondere die Gestaltung von Kurven statt Ecken im Straßenverkehr – kann dazu beitragen, die Entstehung von Trampelpfaden und die damit verbundene zusätzliche Trittbelastung angrenzender Vegetationsflächen zu vermeiden. Auch Barrieren in Form von Totholz, kleinen Abgrenzungen oder temporären Zäunen sind für die Wegeführung gut geeignet. Durch Absperrungen und eine anschließende Renaturierung lassen sich stark belastete Bereiche und unerwünschte Trampelpfade gezielt zurückgewinnen. 
 

Ein einzelner Mensch verursacht kaum sichtbare Schäden. Wenn jedoch täglich Hunderte von Menschen dieselbe Abkürzung nehmen, entsteht daraus ein neuer Weg. Deshalb lohnt es sich, bewusst auf den vorgesehenen Wegen zu bleiben – nicht nur im Naturschutzgebiet, sondern auch im Stadtpark oder auf dem Parkplatz.


Text: Daya Södje